Die Kurzgeschichte des BMX Sports
Im Zeitalter der Computertechnik hat es BMX äußerst schwer. Nicht etwa, weil die Jugendlichen nun lieber vor dem Computer sitzen, sondern weil diese verflixte Abkürzung nicht so ohne weiteres zu deuten ist. „BMX“ hat nämlich beileibe nichts zu tun mit BTX oder ähnlichen Kürzeln; im Gegenteil: BMX bedeutet Action, Rasanz, Farbenfreude und jede Menge Jugendlicher auf der ganzen Welt, gleich welchen Alters und welcher Hautfarbe, die dadurch zueinander finden, sich im sportlichen Wettkampf messen können.
Machen wir einmal einen Sprung zurück in die Zeit, wo der Dollar gerade von DM 4,10 am Bröckeln war. So Ende 1969 gab es ein paar Jungs im immer sonnigen Kalifornien, die absolut kein Geld hatten, sich eine Motocross- Maschine zu kaufen, aber den unbändigen Willen, ihren großen Vorbildern irgendwie nachzueifern – auf einem Fahrrad. Nun hatten aber auch die Fahrräder in jener Zeit noch keine ewige Haltbarkeit und schon gar nicht, wenn man sie über kleine selbstgebaute Sprunghügel wuchtete. Das Ergebnis, haufenweise zu Schrott gefahrene Fahrräder, regte zum Denken an. Und als die meisten in Garagen am Schweißen und Tüfteln waren, überlegte sich ein Motocross- Promoter, wie er diesem
gesetzlosen Treiben die Krone aufsetzen könnte.
Ein Rennen musste her, ein „Cross-Rennen“, nein, besser noch, ein „Moto- Cross- Rennen“
für Fahrräder, denn gefahren werden sollte auf einer verkürzten Motocross- Strecke. Und siehe da, das Zauberwort BMX war geboren.
B, wie bicycle (Fahrrad), M wie Moto (Runde) und X als Faulheitsabkürzung für Cross. Unzählige Jungs rund um Los Angeles trafen sich im Palms- Park, wo Ron Mackler zum ersten Bmx- Rennen einlud.
Die darauffolgende Entwicklung war, wie wir wohl sagen würden, typisch amerikanisch.
Garagenfirmen gründeten sich, brachten unheimlich robuste Zweiräder heraus, die im Rahmenbau sehr gedrungen schienen, und mit den Motocross auch verwendeten Stollenreifen ausgestattet waren. Flugs war also ein ganzer Industriezweig entstanden. Die Zeit verging, Organisationen gründeten sich, von denen die NBL und die ABA heute die stärksten auf der Welt sind.
Mit bis zum heutigen Tag über 200.000 lizenzierten Fahrern allein in Amerika zeigten sich, dass die Zeichen damals einen unaufhaltsamen Sturm entfacht hatten.
Bereits 1970 gründete sich die B.U.M.S. ( Bicycle United Motocross Society ) und ein 13 jähriger Junge mit Namen Scot Breithaupt holte seine im Motocross gewonnenen Trophäen und spendete diese für ein Rennen in Long Beach.
Mit 30 Teilnehmern fing man an und schon die Woche darauf waren es 150.
Im Frühjahr 1971 griff das Fernsehen ins Geschehen ein. Der Film „On any sunday“ mit Steve McQueen zeigte neben Motocross-Szenen erstmals auch diese seltsamen 20-Zoll-Fahrräder, mit denen man aber erstaunlich gut springen konnte.
Im Sommer 1973 baute Ernie Alexander einen BMX-Parcours so richtig nach Geschmack der rennhungrigen Jungs. Der Kurs ging bergab, die Hindernisse waren schwer zu überwinden.
Sechs Monate später gründete Ernie die NBA (National Bicycle Association).
Tja und von da an ging es nur noch steil bergauf.
Schon bald wurde eine Profiklasse gefahren, die jedoch die unangenehme Beleiterscheinung hatte, dass schon 14 jährige Jungs Profis wurden; ein in der heutigen Zeit undenkbarer Fakt.
Das schien selbst für die leicht verrückten Amerikaner zu früh.
Inzwischen ist die Entwicklung im BMX-Sport so weit, dass weitere Disziplinen Fuß fassten.
Ähnlich den Skateboardern gibt es nun eine Reihe von furchtlosen Jungs, die mit ihren BMX-Rädern in Skateparks um die spektakulärsten Tricksprünge kämpfen.
Es finden entsprechende Freestyle- BMX Wettbewerbe statt, bei dem eine ausgewählte Fachjury den Athleten für ihre Darbietung Punkte vergibt und so den Sieger ermittelt– und es gibt die in Amerika unumgänglichen Profis von 17 Jahren und älter.
Die Begriffe Flatland, Street, Ramp, Dirtjump und Racing o.ä. bezeichnen die einzelnen Kategorien, die sich im laufe der Jahre herauskristallisiert haben.
Der Beginn in Deutschland
Nun, hier müssten wir etwas weiter ausholen. Gehen wir einmal zurück in die 70er Jahre, genauer ins Jahr 1978.
Hollands Motocross- Größe Pierre Karsmakers nimmt seinen ebenfalls in Motocross verliebten Schwager Gerrit Does mit nach Amerika, wo ein Jugendlehrgang stattfindet.
Gerrit kommt in Berührung mit BMX und erfährt exakt dasselbe Gefühl wie zuvor zig Amerikaner: Er war von diesem Sport besessen. In Gedanken malte er sich aus, wie so die Motocross- Jugend herangezogen werden könnte.
Aber noch sind wir in Holland. Gerrit beginnt mit ein paar wenigen Freunden BMX zu organisieren. Strecken werden angelegt. Und plötzlich zeigt sich auch die holländische Radsportverband KNWU interessiert. Holland organisiert die erste BMX-Europameisterschaft. steckt sicherheitshalber gleich mal Frankreich und England mit dem BMX-Bazillus an und so allmählich nimmt alles den erwünschten Lauf. Was aber niemand zuvor angenommen hatte, dass BMX in die Schienen des Radsportverbandes glitt, traf ein.
Heute wundert es keinen BMX-Insider mehr, dass ausgerechnet zwei in Deutschland sehr berühmte Radsportler BMX nach Deutschland gebracht haben: Wolfgang Renner und Ekkehard Teichreber waren die eigentlichen Initiatoren im BMX-Sport und man schreibt das Jahr 1981.
Die beiden ehemaligen Radsportgrößen, Teichreber war 1978 Vizeweltmeister im Querfeldein, Renner mehrfacher Deutscher Meister, fingen an, BMX-Rennen zu veranstalten.
Der Startschuss zu den ersten Rennen fiel 1981 in Bremen und Magstadt bei Stuttgart.
Heute, 23 Jahre nach den Anfängen in Magstadt und Bremen, ist BMX eine in sich gewachsene Sportart.
BMX nahm beim ADAC eine ähnliche Entwicklung wie Jahre zuvor beim Bund Deutscher Radfahrer (BDR).
Plötzlich gab es zwei Organisationen, die den Jugendlichen den BMX-Sport als sinnvolle Freizeitbeschäftigung anboten.
Die Verantwortlichen beider Verbände haben schnell erkannt, dass ihre Zielsetzung die gleiche ist.
Was lag daher näher, als den BMX-Sport gemeinsam zu fördern!
Im Jahre 1987 besiegelten Werner Göhner, damaliger Präsident des BDR, und Wilhelm Lyding, damaliger Sportpräsident des ADAC, die Kooperation der beiden Verbände zum Wohle der BMX-Bewegung.
Aushängeschild einer jeden Sportart sind selbstverständlich diejenigen, die ihre Pokale kaum noch zählen können, die an den Strecken von den Fans umringen werden, weil sie eben Außergewöhnliches leisten.
Bisher war es nun mal so, dass erfolgreiche Sportler, die im Rampenlicht standen, so knapp 20 Jahre alt waren. Dass jedoch Jugendliche, oder sagen wir mal Kinder, genauso herausstechen können, wollte keiner so richtig wahrhaben.
„Kindersport“ taten es viele ab und ließen durchblicken, dass BMX etwa in der Nähe der Seifenkistenrennen stellen, was den sportlichen Wert anging.
Gelobt seien die Theoretiker, die sich noch nie auf jenes mit 20-Zoll-Rädern bestückte Rad gesetzt haben, um eine durchschnittlich 400 Meter lange, mit Hindernissen gespickte BMX-Strecke so schnell wie möglich abzufahren.
Sportärzte haben bewiesen, dass ein einziger Lauf (im Normalfall sind es 7 Läufe einschließlich Finale) gleichzusetzen ist mit dem, was Ed Moses oder Harald Schmidt zu bewältigen hatten: Einen 400-Meter-Hürdenlauf. Gewichtsverlust von zwei bis vier Pfund sind keine Seltenheit, Geschwindigkeiten von über 40km/h bei den älteren Klassen ab 14 Jahren stehen durchaus an der Tagesordnung – Kindersport?
Inzwischen hat sich der BMX-Sport in Deutschland etabliert, es gibt Kommissionen, Regularien und jede Menge Rennen. Jedes Jahr werden Deutsche Pokalmeisterschaften ausgeschrieben. Seit 1989 gibt es „richtige“ Deutsche Meisterschaften für die Sportler ab der Jugendklasse.
Eine Europameisterschaft fand erstmals 1985 in Deutschland statt, auf der schönen Anlage des TSV Braunshardt in Weiterstadt bei Darmstadt.
Diese Bahn war lange die einzige Internationale in Deutschland. Später kam eine zweite in Hannover dazu und weitere folgten. Auf einer Vielzahl an Bahnen werden von April bis Oktober Wettbewerbe veranstaltet.
Wenn auch nicht jedes Jahr gleich mehrere deutsche BMX-Sportler mit Siegen von Europ- und Weltmeisterschaften zurückkehren, so ist die Bundesrepublik doch eine feste Größe im europäischen BMX-Konzert, nicht zuletzt nach den großartigen internationalen Rennen in Weiterstadt, in Schwedt an der Oder, Esselbach, Bispingen oder Herzogenaurach und der Tatsache, dass BMX nun olympisch ist.
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