Filstal-Trommeln wecken Radball-Bundesliga

Für 3 Euro ist man dabei. Das ist viel weniger als der Eintritt zu einer furchterregenden Achterbahn – und weit prickelnder. Zumindest bei den vier Heimspielen des Bundesliga-Novizen Reichenbach im Radball mit viermal 14 Minuten Filstal-Roar. Von den örtlichen Handball- und Tischtennisvereinen die Trommeln ausgeliehen, zelebrierte der RSV seine Premiere. Soviel Stimmung hat die Liga seit Jahren nicht erlebt, der SWR produzierte coole Fernsehbilder.

 

Erstmals in der Vereinsgeschichte hatte sich Reichenbach in die höchste Liga geschossen. Dort notiert Bundestrainer Matthias König einmal mehr die Dominanz der ewigen Rivalen aus Obernfeld (29 Punkte) und Vize-Weltmeister Stein (24) und eine „allgemeine Stagnation“, aber der frische Wind aus Württemberg weht ansteckend durch das Oberhaus. 20 Freiwillige hatten die Premiere zustande gebracht. RSV-Coach Klaus Höger weiß: „Bei uns muss man nicht betteln.“ Alle ziehen mit, die 8300-Einwohner-Gemeinde am Neckar-Nebenfluss bereitete das „Turnier des Jahres“ mit Engagement und Ideen vor. Plakate, Präsenz bei Festen und Umzügen,Prospekte, Mund-zu-Mund-Propaganda, das gipfelte in einem satten Vierspalter in der „Esslinger Zeitung“. Und keine Maus passte mehr in dieSchulturnhalle hinein.
Zur Nachahmung sehr empfohlen. Jetzt überlegen sie, einen Kleinbus für Auswärtsspiele „Reichenbach on tour“ einzusetzen, das Interesse ist vorhanden, weil der halbe Ort der Rosshaarkugel hinterherhetzt. „Mit 19 Mannschaften in der laufenden Verbandsrunde ist der RSV einer der großen Vereine Deutschlands“, berichtet Hendrik Höger, der Keeper in Team des Aufsteigers. Seit 2010 bildet er mit Partner Andy Rück ein Duo. Aus der Oberliga ging es in die „Zweite“ – und dann erstmals in den Fahrstuhl zu den Etablierten. Dort sieht man „jeden Punkt“ als wichtig „gegen den Abstieg“. Nach drei Siegen beim Heimspiel aber rückten die RSV-Radballer ins Mittelfeld vor.Dreimal gemeinsames Training schweißt die beiden Lehrer zusammen, ihreKombinationen gefallen – aber vielleicht puschte auch der ohrenbetäubendeTrommelwirbel nach vorne. Bei jedem Tor wankte die kleine Arena in ihren Grundfesten. König gefiel’s. Stimmung und Remmidemmi prägen den lauten Sport, dessen Highlight im Dezember (WM in Basel) stattfindet. Der Bundestrainer hofft, dass die durch eine Verletzung gehandicapten letztjährigen DM-Zweiten aus Waldrems in Saisonhälfte zwei wieder an dieTop 2 ran rücken. Noch mehr aber richtet sich sein Blick auf den Nachwuchs. Es würde Zeit, dass sich jüngere Mannschaften entwickeln.Da gehören Höger (30) und Rück (40) aus Reichenbach nicht unbedingt dazu. Dafür haben sie schon einen eigenen Fanclub. Und allein die Hoffnungauf weitere Heim-Galas in der Trommel-Arena mit Adrenalin-Garantiekönnte Berge versetzen. Und auch neutrale Beobachter genossen die Radball-Euphorie an der Fils.

 

 Text: Klaus Dobbratz  -  Foto: Matthias Barth

 

 

Integration durch Sport

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                          Sie finden uns auch auf  facebook.png

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.