Die SportRegion Stuttgart blickt 2021 auf ihr 25-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass kommt in der Serie MEIN MOMENT jede Woche eine Person zu Wort, die im vergangenen Vierteljahrhundert einen besonderen sportlichen Moment erlebt hat. In der neunten Folge geht es um den Radsport-Experten Albrecht Röder.

 

Albrecht Röders Rückblick

Als junger Mann war ich ein ambitionierter Radrennfahrer, der elf Jahre lang für den RSV Reichenbach/Fils startete. 1986 bedeutete meine Teilnahme an der Junioren-Weltmeisterschaft in Marokko den Höhepunkt meiner sportlichen Karriere: In Nordafrika wurde ich mit dem deutschen Straßenvierer Zehnter und belegte im Punktefahren auf der Bahn Platz 14. Ein Jahr zuvor kam ich bei der Deutschen Straßenmeisterschaft als Vierter ins Ziel und schaffte damit den Sprung in die Nationalmannschaft. In der Folgezeit gelangen mir viele vordere Platzierungen bei nationalen und internationalen Rennen, und ich gewann jeweils eine Gold-, Silber- und Bronzemedaille bei den Württembergischen Meisterschaften auf Bahn und Straße. 1988 wechselte ich als einer der erfolgreichsten Jungamateure der Bundesrepublik, zum RSV Öschelbronn – dem Team von Hans Holczer. Doch dann kam die Wende und 1991 ging es weiter zum Team Olympia Dortmund, mit dem ich 1992 die Rad-Bundesliga Teamwertung gewann. In dieser Zeit war ich sportlich der Roadcaptain des Teams und der letzte Anfahrer von Erik Zabel. Meine Sportkarriere endete dann 1994 beim Team TSV Betzingen.

 

War ich bis zur Wende unter den Top 5 der Rad-Amateure im Westen, fand ich mich nach dem Mauerfall plötzlich zwischen Rang 30 und 35 in Deutschland wieder! Also musste ich umdenken und verlegte mich in den folgenden Jahren vom sportlichen auf den organisatorischen Bereich. 20 Jahre organisierte ich die mehrtägige „Tour de Ländle“ des Südwestrundfunks (SWR) und der EnBW, kümmerte mich um Streckenführungen, Hotelbuchungen, Absperrungen, Logistik, die Hörerfeste an den Etappenorten, saß in Besprechungen mit Kommunen, Behörden, Ärzten und Sanitätern, Sponsoren und Polizei – ich kümmerte mich praktisch um alles. Das war eine harte, aber ungeheuer lehrreiche Schule, von den Erfahrungen aus dieser Zeit profitierte ich später immer wieder. Meine „Meisterprüfung“ waren die 74. UCI-Straßenradweltmeisterschaften 2007 in Stuttgart, bei der ich für die Streckensicherheit der Rundkurse verantwortlich zeichnete. Start und Ziel waren vor der damaligen Messe Killesberg, die Zielgerade ging bergauf, der Schlussanstieg wies 80 Höhenmeter auf. Das Pressezentrum mit über 1.000 akkreditierten Journalisten befand sich in der Messehalle 6.

 

Die Rennen fanden im Stuttgarter Westen zwischen dem Messegelände und den Stadtteilen Stuttgart-West, Botnang und Feuerbach statt. Der Rundkurs der drei Straßenrennen war 19,1 Kilometer lang und führte über insgesamt 405 Höhenmeter. Eine Schlüsselstelle war der Anstieg am Herdweg, der mit einer Länge von 600 Metern und einer Maximalsteigung von 13 Prozent den schwersten Anstieg darstellte. Im Straßenrennen der Männer wurde der Kurs 14 Mal umrundet, bei den Frauen sieben Mal, im U23-Rennen neun Mal.

Die erfolgreich verlaufene Straßen-WM war für mich die „Olympia-Qualifikation“ für die Spiele 2008 in Peking, wo ich im Orgateam der Straßenrennen mitarbeitete. So kam ich doch noch zu Olympia, zwar nicht als Sportler, eben als Organisator. Ich hatte einen temporären chinesischen Führerschein und konnte direkt hinter dem Rennfeld über den Tian’anmen-Platz fahren. Von 2012, der erstmaligen Austragung des Fünf-Etappen-Rennens, bis 2016 war ich Organisationsleiter für alle Belange der „Tour d’Azerbaidjan“, der Aserbaidschan-Rundfahrt, über knapp 1.000 Kilometer vom Kaspischen Meer in den Kaukasus.

 

Seit 2018, als das Finale in Stuttgart war, bin ich Streckenchef der nach zehnjähriger Pause „wiederbelebten“ Profiradrundfahrt Deutschland-Tour, die 2020 wegen der Corona-Pandemie ausfiel. Sie ist das wichtigste deutsche Etappenrennen im Straßenradsport und wurde unter verschiedenen Namen (meist Deutschlandrundfahrt o.ä.) seit 1911 unregelmäßig ausgetragen. Im August 2018 erlebte die Deutschland Tour eine Neuauflage, sie soll für Deutschland das werden, was die Tour de France für Frankreich ist: ein sportliches Großereignis und auch ein bisschen Mythos. Deshalb hat sich die Amaury Sport Organisation (A.S.O.) über ihre deutsche Tochter „Gesellschaft zur Förderung des Radsports mbH“ langfristig die Rechte an der Deutschland-Tour gesichert, die A.S.O. ist unter anderem Veranstalter der Tour de France und der Rallye Dakar. Das Radsportfestival Deutschlands soll in diesem Jahr vom 26. bis 29. August stattfinden, auf vier Etappen geht es von Stralsund über insgesamt 727 Kilometer nach Nürnberg.

 

Am 20. Juni 2021 hat mit dem BREZEL RACE eine Veranstaltung Premiere, mit der die Landeshauptstadt Stuttgart und die Region Stuttgart ein starkes Zeichen mit einem eigenen Radrennen setzen. Dabei können rund 3.000 ambitionierte BreitenradsportlerInnen auf zwei Strecken gehen, einmal über 111 Kilometer oder über 74 Kilometer. Zeitgleich finden vom 18. bis 20. Juni die Deutschen Straßenradmeisterschaften 2021 in Stuttgart und der Region mit zirka 350 Profisportlern statt. Es werden die Titel im Einzelzeitfahren Frauen Elite, Männer U23 und Männer Elite sowie im Straßenrennen Männer und Frauen Elite vergeben. Die Crème de la Crème des deutschen Radsports ist dabei auf Rundkursen in Öschelbronn, Filderstadt, Korntal-Münchingen und Stuttgart unterwegs. 

 

Diese Veranstaltungen betreuen wir alle mit unserer im Jahr 2000 gegründeten FREUNDE Eventagentur mit Sitz in Sindelfingen. Sieben Angestellte und bis zu 30 Freelancer bei den verschiedenen Projekten kümmern sich aber nicht nur um Sportveranstaltungen, sondern auch um Firmenevents, Messen oder Road-Shows. Ich habe also tatsächlich das Glück gehabt, mein Hobby zum Beruf zu machen – besser kannst Du es nicht haben!

 

Bei meinen Streckenplanungen kommt mir zugute, dass ich ein nahezu fotografisches Gedächtnis habe. War ich einmal an einem Ort, kann ich die Gegebenheiten dort aus dem Kopf abrufen. Das hilft mir im Job sehr, zumal ich mich an die Örtlichkeiten und die dortigen Umstände auch aus Sicht eines Radrennfahrers erinnere. So kam auch die „abgefahrene“ Idee zur Feier meines 50. Geburtstages zustande: Da ich in meinem Leben bisher elf Mal in der Region Stuttgart umgezogen bin, wollte ich mit meinen Freunden und Gästen auf dem Rad alle ehemaligen Wohnorte mit einer Tagestour anfahren. Start war in Reichenbach, danach haben wir jeweils überall dort, wo ich schon einmal lebte, angehalten und in Erinnerungen geschwelgt. Insgesamt kamen 95 Kilometer Fahrtstrecke zusammen. Die Freunde sind ganz oder nur einen Teil der Strecke mitgefahren. Der Schlussabschnitt von Gerlingen nach Maichingen war 17 Kilometer lang, und dort waren wir dann 32 Teilnehmer im Alter zwischen acht und 82 Jahren. Für mich ein toller Sport-Moment, und das am Sonntag, nachdem wir am Samstagabend meinen Geburtstag groß gefeiert hatten!

 




Albrecht Röder, der mit seiner Familie in Maichingen (Kreis Böblingen) lebt, wurde 1968 in Hohengehren, einem Ortsteil von Baltmannsweiler (Kreis Esslingen), geboren. Der leidenschaftliche Rad- und Skifahrer ist Bankkaufmann, Diplom-Betriebswirt (FH) Tourismus und Mitinhaber sowie Geschäftsführer der FREUNDE Eventagentur.

[Fotos: FREUNDE Eventagentur]“

(Text/Fotos:SportRegion Stuttgart)

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