Radsport-Hochburg Albstadt mag es wild und dreckig - bekannt für seine Mountainbike-Weltcups (und nun besonders auch für die kommende MTB-Weltmeisterschaft 25.-28.Juni 2020) machte es am zweiten Januar-Wochenende seinem Rennsportimage alle Ehre: Bei der hervorrragend organisierten Querfeldein-DM zeigten sich Fahrer/innen und Fans begeistert. Gefeiert wurden die Besten: Mit Lisa Brandau (Schönaich) bei der Elite der Frauen und Marcel Meisen (Stolberg) bei den Elite-Männern sicherten sich die Topfavoriten die Meisterleibchen. Alle Meister/innen siehe im folgenden offiziellen Text des Pressedienstes Cyclo-Cross-DM 2020.

Marcel Meisen hat bei den 66. Deutschen Meisterschaften im Cyclo-Cross seinen Titel verteidigt. Der Favorit aus Stolberg siegte am Sonntag in Albstadt vor rund 3000 Zuschauern vor Sascha Weber und Manuel Müller. Der U23-Titel ging an den jungen Tom Lindner, bei den Junioren siegte Straßen-Talent Marco  Brenner.

Marcel Meisen überquerte in Jubel-Pose die Ziellinie, rollte aus, drehte dann um und fuhr wieder in Richtung Ziellinie, um seinen langjährigen Weg-Gefährten Sascha Weber (St. Wendel) in Empfang zu nehmen.

44 Sekunden musste er warten, bis der in Freiburg lebende Saarländer die Zeitmessung nach sieben 2,6-Kilometer-Runden passiert  hatte. „Marcel ist Weltklasse, er ist einfach der Beste“, gab Sascha Weber zu Protokoll. Der Beste in Deutschland  und hier gibt seit jetzt vier Jahren kein Vorbeikommen an dem Stolberger.

Sascha Weber startete mit Wucht, machte an der Spitze Tempo und lag gemeinsam mit Paul Lindenau in Führung. Favorit Marcel Meisen lag da erst mal noch an fünfter Position.

„Ich wollte am Start nicht so viel riskieren und nicht überziehen“, erklärte Meisen.

Noch in der ersten Runde konnte der Weltranglisten-Zwölfte aber aufschließen. Nach einer Runde als Spitzentrio löste sich die Formation auf.

Sascha Weber machte einen kleinen Fehler, hatte Schotter an den Schuhen und kam nicht gleich ins Klickpedal. Damit war Meisen weg.

„Ich konnte meine Technik ausspielen und direkt ein Loch raus fahren und das dann auch verteidigt. Sascha ist gut gefahren, aber ich wusste, in den letzten zwei Runden bin ich noch mal ganz stark. Am Ende war es ein souveräner Sieg“, erklärte Marcel Meisen, der mehr Passagen im Sattel bewältigte, während Weber aufs Laufen setzte.

Sein Vorsprung wuchs auf 20 Sekunden an, Paul Lindenau musste Sascha Weber ziehen lassen und wurde später auch von Manuel Müller (Whyl) kassiert.

In der vierten und fünften Runde versuchte Weber noch mal Druck zu machen, verkürzte den Rückstand. „Ich habe aber gemerkt, ich kann nicht zu viel Risiko gehen“, erklärte Sascha Weber, warum er die Anstrengungen auf dem matschigen Untergrund abbrach und sich mit Silber begnügte.

„Mit diesem Platz habe ich gerechnet. Die Strecke hat mir nicht so gepasst, mir hat da ein Berg gefehlt“, bekannte Weber.

Marcel Meisen war nicht nur mit dem Titel, sondern auch mit seiner Leistung zufrieden.

 

 

Die Strecke ist explosiv, es braucht viele Kurven, kurze Antritte. Das kommt mir nicht so entgegen. Aber die Verhältnisse wie sie heute waren, kamen mir mehr entgegen“, kommentierte Meisen.

„Das war hier auf jeden Fall sehr gut aufgezogen und die Organisation war top. Die Organisatoren der Mountainbike-WM, die wissen was sie machen müssen“, meinte er.

 

Manuel Müller fuhr mit 1:34 Minuten Rückstand als Dritter über die Ziellinie und holte sich damit die Bronze-Medaille. Der Whyler, der im Herbst gesundheitliche Probleme hatte und deshalb in der bisherigen Saison noch nicht besonders aufgefallen ist, hatte in der Startphase Pech als er in der Streckenbegrenzung hängen blieb und erst mal nur an Position 15 unterwegs war.

„Das war mein Fehler, ich war zu hektisch. Ich wäre gerne ein paar Runden mit Marcel und Sascha gefahren, aber so war das nicht mehr möglich“, sagte Müller. In vierten Runde überholte er Paul Lindenau und fuhr zu der erhofften Medaille. „Das war mein Ziel und deshalb bin ich zufrieden.“

Zufrieden war man auch beim Veranstalter. Albstadts Oberbürgermeister Klaus Conzelmann war beeindruckt von den Sportlern, wie sich über gefrorenen Boden und tiefen Matsch kämpften. „Organisatorisch hat alles geklappt und für uns war es ein genialer Auftakt in das Radsport-Jahr mit der Mountainbike-WM im Juni als Höhenpunkt“, kommentierte Conzelmann.

 

 

U23 Männer: Tom Lindner erst hektisch, dann souverän

 

Zu Beginn des U23-Rennens der Männer sah es so aus als würde Maximilian Möbis (Teupitz) einen Start-Ziel-Sieg feiern. Seine Konkurrenten hatten auf dem auftauenden und schwer zu steuernden Boden Mühe, während Möbis mit seinem Material sicher durch die Kurven steuerte.

Das bescherte ihm rasch die alleinige Führung und nach zwei Runden hatte er 15 Sekunden Vorsprung auf eine zu diesem Zeitpunkt drei Fahrer starken Verfolgergruppe.

„Ich habe gemerkt, dass die anderen mit sich gehadert haben und hatte wohl die bessere Wahl bei der Linie und beim Material“, erklärte Möbis. „Ich habe dann versucht vorne nicht nervös zu werden, weil es ja noch lange war bis ins Ziel.“ 

Im Verfolgertrio kam aber Tom Lindner immer besser zurecht. „Am Anfang war ich recht hektisch, habe viele Fehler gemacht und bin oft gestürzt. Ende der zweiten Runde habe ich mich dann gefangen und bin fehlerfrei gefahren“, so Lindner.

Der Zwickauer saugte relativ schnell den Rückstand weg, schloss zu Möbis auf und ließ sich nicht mehr aufhalten. „Dann lief es echt gut. Als ich eine Lücke hatte, dachte ich: jetzt alles oder nichts“, sagte Lindner, der im Vorjahr noch Deutscher Junioren-Meister war.

„Ich wusste, dass ich eine gute Form habe und freue mich, dass es so aufgegangen ist.“

Nach sechs Runden auf dem 2,6 Kilometer langen Kurs trennten Lindner und Möbis 25,3 Sekunden.

Ob er enttäuscht sei über Silber, wurde Möbis gefragt: „Schwer zu sagen“, zuckte er mit den Schultern. „Ich bin ja froh, dass es noch zu Silber gereicht hat. Als Tom gekommen ist, hat der Kopf mitgespielt. Es ist mental nicht super, wenn du merkst, dass du wieder eingeholt wirst. Aber Tom war einfach stärker.“

Auf dem Bronze-Rang landete mit Maximilian Krüger (Gestratz) ein weiterer Vertreter des jüngsten Jahrgangs. Krüger wehrte sich erfolgreich gegen den aufkommenden Pascal Tömke (Neustadt/W.) und holte mit 43 Sekunden Rückstand seine erste Meisterschaftsmedaille überhaupt.

„Top Fünf wäre schon richtig gut gewesen, mit einer Medaille habe ich nie gerechnet“, sagte ein strahlender Krüger. „In der letzten Runde dachte ich nur noch: jetzt keine Fehler mehr machen und es hat gereicht.“

Der als Medaillenkandidat gehandelte Pascal Tömke hatte als Vierter schließlich 1:01,4 Minuten Rückstand.

 

U19 Männer: Marco Brenner furios

 

Die Junioren lieferten dem Publikum am kalten Sonntagmorgen ein aufregendes Rennen. Favorit Marco Brenner hätte es vermutlich lieber einfacher gehabt, doch dem Augsburger spielte das Material einen Streich. So kam es einer spannenden Dramaturgie, zu der auch Jasper Levi Pahlke und Tim Neffgen ihren Beitrag leisteten. Ebenfalls unfreiwillig.

Bei Brenner klemmte bereits nach wenigen hundert Metern die Kette. Das warf das Straßen-Talent gleich mal ans Ende des Feldes und nach der Hälfte der ersten von fünf Runden wurden 30 Sekunden Differenz zur Spitze gemessen.

Dort hatten sich bereits jetzt Tim Neffgen und Jasper Pahlke etabliert und eine kleine Lücke heraus gefahren.

„Ich  weiß, dass ich Druck habe und bin mein Tempo gefahren“, erklärte Brenner zu seiner Aufholjagd.  Ende der dritten Runde hatte er nach einer furiosen Aufholjagd die beiden Führenden eingeholt und das Spiel begann von vorne.

Neffgen und Pahlke hatten allerdings ein wenig gepokert. „Ich habe versucht Körner zu sparen und alles in die letzten beiden Runden zu legen“, erklärte Neffgen.

Doch es dauerte kaum einen Kilometer, da hatte Brenner das nächste Problem. Wieder klemmte die Kette und es verrannen 15 Sekunden, ehe er der Vizemeister des Vorjahres sich wieder aufs Rad schwingen konnte.

Er jagte dem Spitzenduo wieder hinterher. Nur 500 Meter später warf das nächste Ereignis die Reihenfolge wieder durcheinander.

Neffgen war hinter Pahlke auf zwei Hindernisse zugefahren. Pahlke bremste, Neffgen musste eine Vollbremsung machen und blieb mit dem Schaltwerk an der Hürde hängen. Das riss ab und der Dürener musste den Weg zur Wechselzone ohne Treten machen.

Brenner zog vorbei, während vorne Pahlke jetzt Tempo machte.

Doch auch der Hamburger sollte nicht verschont bleiben. In der Schlussrunde, er hatte immer noch vier, fünf Sekunden Vorsprung auf Brenner, erlitt Pahlke eine Reifendefekt. Nach dem Wechsel war Brenner dran.

Auf der Tartanbahn packte der Favorit seine Qualitäten aus, schoss aus dem Windschatten an Pahlke vorbei und jagte zum Titel, 12,4 Sekunden vor Pahlke,

„Es lief heute nicht so wie geplant, aber da kann man nichts machen“, meinte Brenner verschmitzt. „Der Kurs kam mir schon entgegen und am Ende hat es ja noch geklappt. Der Titel war schon das Ziel, aber ich habe mich nicht speziell auf die DM vorbereitet.“

Jasper Pahlke zeigte sich nicht unglücklich über Rang zwei, zumal er gesundheitlich angeschlagen ins Rennen ging. „Ich habe gestern noch gar nicht gewusst, ob ich starten kann und mir nichts ausgerechnet. Aber es lief gut und plötzlich hatte ich einen Höhenflug“, meinte er mit einem leichten Grinsen.

Dagegen war Tim Neffgen (+39,9) schon enttäuscht über sein Pech, obschon er sich gegen die beiden Mountainbiker Lennart Krayer (RSG Mannheim, +40,9) und Louis Krauss (TSV Neckartenzlingen, +50,4) noch behaupten und die Bronze-Medaille ergattern konnte.

„Es ist gerade ein emotionaler Moment. Ich habe mich super gefühlt und dann passiert das“, erklärte Neffgen.

 

Masters 2: Danowskis Fluch ist gebrochen

 

Ein Antritt zu Beginn der Schlussrunde bescherte Stefan Danowski in der Masters-Kategorie 2 seinen ersten Deutschen Meistertitel im Cyclo-Cross. Der Hamburger hatte in Andreas Schröder vom RV Pfeil Magstadt einen hartnäckigen Konkurrenten, der zwischenzeitlich auch mal die Führung übernommen und einen Vorsprung herausgefahren hatte.

„Ich bin halt vorsichtig gefahren und immer in der gleichen Geschwindigkeit“, erklärte Danowski. Tatsächlich schaffte er es alle vier Runden mit einer Abweichung von nur neun Sekunden zu absolvieren, was auf dem immer schmieriger werdendem Untergrund sicher nicht einfach war.

Gegen Ende der vorletzten Runde hatte er Schröder wieder eingeholt und am ersten Anstieg gleich attackiert. Dann war Danowski nicht mehr aufzuhalten.

Mit 13,6 Sekunden Vorsprung gewann er den Titel. Die Zahl euphorischer Gratulanten war groß. Es war sein erster Titel überhaupt im Cyclo-Cross und zwar im letzten Jahr in der Masters-Kategorie 2.

„Der Fluch ist gebrochen“, meinte Danowski mit einem breiten Grinsen. Im Vorjahr war er noch um elf Sekunden geschlagen Zweiter.

Andreas Schröder war damals Elfter. Insofern war die Silbermedaille für den Schwaben ein Erfolg.

Sven Baumann (Hildburghausen) holte sich mit 29,7 Sekunden Differenz Bronze. 


Ergebnisse

 

66. Deutsche Meisterschaften im Cyclo-Cross in Albstadt / Samstag - Trotz Zweifel: Brandau eine Klasse für sich

 

 

Zum dritten Mal in Folge holte sich Elisabeth Brandau am Samstag in Albstadt den Titel im Cyclo-Cross. Die Schönaicherin siegte vor der Überraschungs-Zweiten Kim Anika Ames aus Hirzweiler und Stefanie Paul aus Hannover. In der U23 der Frauen gewann Judith Krahl (Finsterwalde), der Titel bei den Juniorinnen ging an Clea Seidel (Luckenwalde). Insgesamt wurden am Samstag neun Titel vergeben.

Elisabeth Brandau war bei den Elite-Damen eine Klasse für sich. Das war keine Überraschung, doch die 34-Jährige hatte im Vorfeld ihre Zweifel geäußert. „Die Beine waren nicht gut“, meinte sie im Ziel, das sie nach einem Solo ab Runde eins mit 1:27 Minuten Vorsprung auf Kim Anika Ames erreichte.

Am Donnerstag hätte es Knall getan, das Aufräumprogramm im eigenen Haushalt mit zwei Kindern hätte sie „tot“ gemacht. „Was sein muss, muss sein“, meinte sie mit einem Lachen. Immerhin: „Die Antritte gingen gut.“ Nur die Power hätte sie nicht hoch halten können.

Sie feierte ihren dritten Titel in Folge und den vierten insgesamt dennoch ungefährdet.

 

Ich bin jetzt ganz zufrieden“, sagte die EM-Dritte auf dem Mountainbike, auch mit der Leistung, die sie auf dem 2,6 Kilometer langen Kurs in fünf Runden zeigen konnte.

Rechts neben ihr auf dem Podest stand mit Kim Anika Ames auch eine Fahrerin, die ihre sportliche Heimat eigentlich auf dem Mountainbike hat. Die Saarländerin war aber „selber erstaunt“, dass sie am Albstadion in Ebingen mit der Silbermedaille dekoriert wurde.

Ich fahre das erste Jahr Cross und habe es nur als Abwechslung zum Training gesehen. Aber in Albstadt scheinen mir immer gute Rennen zu gelingen“, meinte die Medizinstudentin verschmitzt.

Der Kampf um Silber und Bronze war der spannendste Teil im Rennen der Frauen. Bundesliga-Gesamtsiegerin Stefanie Paul und Janine Schneider (Lottstetten) positionierten sich als erste Verfolgerinnen von Elisabeth Brandau. In Runde zwei von fünf gelang es der Cyclo-Cross-Spezialistin einen kleinen Vorsprung auf die Deutsche Meisterin im MTB-Marathon heraus zu fahren.

Janine Schneider hatte bis zu elf Sekunden Rückstand auf Paul, verkürzte phasenweise bis auf drei Sekunden, um dann wieder zu verlieren. Hinter ihr kämpfte Kim Ames an vierter Position um den Anschluss. Auch bei ihr entstand ein Ziehharmonika-Effekt. Mal waren es 14 Sekunden, mal nur noch acht. Und hinter war mit Lisa Heckmann (Darmstadt) eine weitere Konkurrentin auch nur fünf bis zehn Sekunden entfernt.

Die vierte Runde brachte dann aber endgültig Bewegung in die Positionen. Kim Ames ging an Janine Schneider vorbei, die ihrerseits den Abstand zu Paul verringert hatte.

Am Hinterrad von Paul fuhr Ames in die Schlussrunde, ging am ersten Anstieg vorbei, wurde noch mal gekontert, um dann wieder vorbei zu ziehen. Dahinter verlor Schneider wieder den Anschluss.

Der Kampf um Silber entschied sich als Kim Ames aus einer technischen Passage besser raus kam und eine kleine Lücke riss. „Die habe ich nicht mehr zu bekommen“, gestand Stefanie Paul nach dem Rennen.

Ich kann es im Moment nicht in Worte fassen, weiß nicht ob ich zufrieden sein soll oder nicht. Kim hatte ich nicht unterschätzt, aber versucht mich auf mich zu konzentrieren. Sie hat viel Druck und das hat auf diesem Kurs sicher geholfen“, kommentierte Paul.

Kim Ames aber war bei ihrer ersten Cross-DM ein echter Coup gelungen.  Acht Sekunden vor Paul überquerte sie die Ziellinie.

Es hat mich motiviert, als ich gemerkt habe, dass ich näher komme“, räsonierte die 22-Jährige und fügte hinzu: „Cross hat schon Spaß gemacht. Ich bin überglücklich.“ Sprich: könnte man häufiger machen.

 

U23 Frauen: Judith Krahl besiegt Titelverteidigerin

 

Im U23-Rennen der Frauen gab es den Knackpunkt in der zweiten von vier Runden. Judith Krahl und Emma Eydt (Merchweiler) fuhren an der Spitze. Vorjahres-Siegerin Eydt übernahm die Spitze und riss eine Lücke. Allerdings verlor sie auch Luft aus dem Hinterrad.

Als ich es das registrierte, habe ich investiert, um mit Vorsprung in die Wechselzone zu kommen“, erklärte Emma Eydt. Das gelang ihr auch. Mit wenigen Metern Rückstand auf Krahl ging sie wieder ins Rennen und schloss wieder auf.

Danach hat der Kopf gesagt: nee. Und die Beine auch“, meinte Eydt im Ziel.

Rasch entkam die Konkurrentin und zog davon. „Es hat mich schon erstaunt, dass ich ziemlich schnell eine große Lücke hatte. Ich habe schon damit gerechnet, dass es enger wird. Aber jetzt freue ich mich über meinen ersten Deutschen Meister-Titel“, erklärte Krahl, die ihren Erfolg mit 1:11 Minute Vorsprung perfekt machte.

Nina Küderle (TSV Böhringen) gewann Bronze (+1:56), war aber mit ihrem Rennen „nicht zufrieden.“ Es sei „am Anfang ganz und gar nicht gelaufen“, wie sie sagte. Die beiden Konkurrentinnen musste die U23-Meisterin von 2018 sofort ziehen lassen.  „Ich stand im Stau hinter Elite-Damen und bin nicht vorbeigekommen“, erzählte sie, wie das zustande kam.

 

U19 Frauen: Clea Seidel eine Klasse für sich

 

Einen Vergleich hatte es vorher zwischen Clea Seidel und Sunny-Angelina Gschwender (Baden-Baden) nicht gegeben. Seidel fährt Straße konzentriert sich im Cyclo-Cross auf Weltcup-Rennen, „um mich mit den Besten zu messen“, wie sie sagt und Gschwender ist etatmäßige Mountainbikerin, die das Cross-Rad und die Wettkämpfe „nur als Vorbereitung auf die MTB-Saison“ nutzt. Dennoch hatte sie die U19-Gesamtwertung der Bundesliga für sich entschieden.

Seidel war von ihr allerdings nicht zu bremsen. Die Juniorin setzte ihre Maßstäbe eher bei den U23-Frauen. Bis auf die Meisterin ließ sie alle aus der nächsthöheren Klasse hinter sich.

Ich glaube damit kann ich zufrieden sein“, so Clea Seidel nach ihren vier Runden. „Der Meistertitel, was will ich mehr.“

Mit satten 3:04 Minuten auf Gschwender holte sie sich das Jersey. Die Silbermedaillengewinnerin konnte indes über Silber strahlen. 4:22 Minute nach der Siegerin erreichte Johanna Theobald vom TV Birkenfeld als Dritte das Ziel und wurde mit Bronze dekoriert.

 

U17 Frauen: Jule Märkl solo zum Titel

 

Im Rennen der weiblichen U17 wurde Jule Märkl ihrer Favoritinnenrolle gerecht. „Der Plan war, dass wir vorne zusammen arbeiten“, erklärte die Fahrerin vom RSC Linden. Und zwar mit Vereinskameradin Hannah Kurz.

Allerdings wurde das Duo bereits am Anfang durch einen Sturz einer Konkurrentin getrennt und nachdem sie die Führung übernommen hatte, fuhr Jule Märkl schon in Runde eins von drei auf und davon.

Ihr Solo endete mit 33 Sekunden Vorsprung auf Hannah Kurz. Insofern sei „der Plan aufgegangen“, meinte Jule Märkl, sichtlich glücklich über den Titel. „Irgendwann findet man sein Tempo, seinen Tritt.“

Dritte wurde Isabell Oepen (Pulheimer SC). Die etatmäßige Straßen- und Bahnfahrerin nutzte in der Schlussrunde einen Fehler von Anne Slosharek (RSC Felsenland) in der Sandgrube. Die kippte dort kurz weg.

Die Chance habe ich genutzt“, meinte eine glücklich Oepen, die 1:15 Minuten Rückstand aufwies.

 

U17 Männer: Benjamin Krüger mit viel Druck

 

Benjamin Krüger (TSV Niederstaufen) bestätigte mit einem eindrucksvollen Sieg seine Favoritenstellung in der männlichen U17. Krüger übernahm gleich nach dem Start das Zepter und riss rasch eine kleine Lücke.

Silas Kuschla (WAC Team) versuchte dagegen zu halten und schloss Krüger auf. Das Duo ging gemeinsam in die zweite von vier Runden.

Im ersten Anstieg auf einer Wiese machte Krüger erneut Druck. „Ich habe schon versucht ihn wieder abzuhängen“, sagte er. Fünf, sechs Sekunden Abstand lagen zwischen den beiden Kontrahenten, als Silas Kuschla versuchte über zwei Hürden zu springen, die Krüger zu Fuß überwunden hatte.

Am zweiten Hindernis blieb Kuschla mit dem Hinterrad jedoch hängen und überschlug sich. „Ich wollte mit dem Springen die Lücke wieder verringern“, erklärte Kuschla. Er war zwar schnell wieder auf dem Rad, doch hinterher erst mal nicht mehr derselbe.

Nach so einem Sturz ist man erst mal nicht mehr im Tunnel drin“, bekannte der Silbermedaillengewinner.

Als von hinten Louis Leidert (RSV Seeheim) ziemlich nahe kam, hatte er sich allerdings wieder gesammelt und verteidigte seinen zweiten Rang (+1:05) vor Leidert (+1:16).

Das spiegelt schon die Saison so wieder“, meinte Kuschla und Benjamin Krüger, der vor zwei Jahren schon Schülermeister war, hatte sich selbst auch als Favorit gesehen.

Ich wollte schon den Titel. Der bedeutet mir sehr viel, weil es das Größte ist, was man im Cross gewinnen kann“, meinte ein strahlender Allgäuer.

 

U15 Frauen: Messemer sprintet zum Sieg

 

Auf den zwei Runden der weiblichen U15 duellierten sich Joelle Amelie Messemer (RSG Frankfurt) und Judith Frederike Rottmann (Viktoria Neheim) um den Titel.

Sie attackierten sich gegenseitig und einmal gelang Messane Bräutigam (Rheinzabern) noch mal der Anschluss an das Duo, doch die beiden Kontrahentinnen setzten sich wieder ab.

Als Messemer einmal in einer Abfahrt ausklickte, ging Rottmann vorbei. Doch rund 400 Meter vor dem Ziel griff Messemer an. „Das war mein Plan, weil ich wusste, dass ich einen langen Sprint fahren kann“, erklärte Messemer.

Ich habe den Angriff erwartet, aber nicht in dem Moment“, so die deutlich kleinere Rottmann. Auf der Zielgeraden hatte sie dann keine Chance mehr, zeigte sich allerdings nicht unglücklich über Silber (+0,83).

Bronze ging an Messane Bräutigäm (+0:31,8).

 

U15 Männer: Oertzen sucht Heil in der Flucht

 

Nach zwei Runden in der männlichen Schülerklasse feierte Max Oertzen (Harburger RG) den Titel-Gewinn. In der ersten von zwei Runden entstand eine dreiköpfige Spitzengruppe, zu der auch Oertzen gehörte.

Das war nicht ganz selbstverständlich, denn Oertzen rutschte am Start aus seinem Pedal und war erst mal im Hintertreffen. „Das war nicht so schlimm, ich kenne das, weil ich kein guter Starter bin.“

Der Gewinner der Bundesliga-Gesamtwertung war es dann auch, der Mitte Runde eins in einer technischen Passage das Spitzentrio sprengte.

Der Offenburger Benedikt Benz positionierte sich hinter ihm, der Cottbuser Paul Fietzke fuhr an dritter Stelle.

Oertzen vergrößerte die Lücke bis auf acht Sekunden, doch Benz gab sich noch nicht geschlagen. In der zweiten Runde kam er noch mal auf drei Sekunden heran, doch Oertzen spielte in den technischen Passagen seine Stärke aus und gewann schließlich mit 5,5 Sekunden Vorsprung auf Benz.

Ich habe versucht eine Lücke zu reißen und gehofft, dass ich die dann halten kann“, so Oertzen zu seiner Strategie, die letztlich aufging.

Paul Fietzke distanzierte die Verfolgergruppe immer mehr und wurde mit 25,1 Sekunden Dritter.

 

Masters 3: Jens Schwedler technisch stark

 

Der Hamburger Jens Schwedler gewann die Masters-Kategorie 3 mit 18,8 Sekunden Vorsprung auf Joachim Hagl vom VfL Pfullingen und 47 Sekunden vor Thomas Fischer vom RV Stuttgardia Stuttgart.

Schwedler übernahm bereits in Runde eins die führende Position und fast schleichend wuchs sein Vorsprung an. Joachim  Hagl versuchte dagegen zu halten, doch er schaffte nie mehr den Anschluss.

Ich denke, Joachim ist konditionell stärker, aber in der Fahrtechnik hatte ich meine Vorteile“, erklärte Schwedler.

Erst 1:15 Stunden vor dem Start habe er sich entschieden mitzufahren. „Es hängt davon ab ob sich das mit dem Training meiner Fahrer vereinbaren lässt. Deshalb muss ich immer abwarten“, sagte der Coach der Stevens-Equipe. Der Start hat sich gelohnt, das Meisterjersey war der Lohn.

 

Masters 4: Lars Erdmann souverän

 

Mit Lars Erdmann war auch in der Masters-Kategorie 4 ein Hamburger der Schnellste. Er fuhr ein souveränes Rennen und distanzierte Jochen Keiler (SG Athletico Büdelsdorf) um 1:20 Minuten. Der Silbermedaillengewinner war seinerseits noch mal 1:38 Minuten eher im Ziel als Josef „Jupp“ Meisen (Zugvogel Aachen), der sich nach Bronze bei der Masters-WM auch Bronze bei der DM holte. „Die erste DM-Medaille seit 30 Jahren“, wie der Stolberger lachend anmerkte.

 

Das nationale, aber vor allem heimische Medieninteresse war groß!

Nun folgt in Albstadt vom 25.-28.06.2020 der nächste Höhepunkt: eine der drei Radsportweltmeisterschaften 2020 in Deutschland! Auf die Bahn-WM in Berlin im Februar 2020 folgt die Mountainbike-Weltmeisterschaft im Juni in Albstadt. Den Abschluss  macht Ende November die Hallenradsport-WM in Stuttgart.


Ergebnisse

 

Fotos Frauen von ©Armin M. Küstenbrück/EGO-Promotion (und Hindernisbild Meisen)

Fotos Männer: uli hugger

 

Text 1 und 2: Pressedienst Cyclo-Cross-DM 2020 in Albstadt, Erhard Goller

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